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Peter Hollo: Babyboom, welcher Babyboom?

Wer mich kennt, der weiß, auch ich bin ein Freund von gesundem Zweckoptimismus. Anstatt die Dinge schlecht zu reden, hilft ganz oft der Wechsel des eigenen Blickwinkels und Fakten bekommen eine ganz andere Bedeutung. Was aber derzeit passiert, dass wird selbst einem hart gesottenen Marketing- und Kommunikationsonkel wie mir zuviel.

 

Plötzlich tauchen überall Berichte über einen Babyboom auf. Und darüber wie sehr dieser Boom doch die Geschäfte treibt und treiben wird. Welcher Babyboom denn? Glaubt man den Zahlen des Statistischen Bundesamts, dann kamen im Jahr 2018 787 500 Babys zur Welt. Das waren rund 2 600 Neugeborene mehr als im Vorjahr. Wir reden also über ein Steigerung von atemberaubenden 0,33%. Man kann sich auch über kleine Dinge freuen.

 

Betrachten wir dazu noch die erschreckend niedrige Basis mit einer Geburtenziffer/Fertilitätsrate von 1,57 Kindern je Frau, dann wird´s noch ein wenig schräger. UK und Frankreich liegen um die 1,90 und die USA etwa bei 1,80 (historisch niedrig). Mit einer Geburtenziffer von 1,57 liegen wir weltweit ganz weit im unteren Viertel, selbst unter den Industrienationen.

 

Treiben wir das Spiel noch ein wenig weiter. Rechnen wir mal mit sehr sehr optimistischen Ausgaben von 450 Euro pro Kopf und Jahr, so beschert dieser 0,33% Boom der Spielwarenbranche sagenhafte 1.170.000 Euro Mehreinnahmen. Klingt viel, ist aber nicht so. Bei einem 3,3 Milliarden großen deutschen Gesamtmarkt mit Spielwaren, also eine Steigerung um gut gerechnete 0,036%. Das macht Mut.

 

Setzen wir jetzt noch einen drauf und Fragen in welchen Einkommensschichten diese Kinder geboren werden und stellen wir in Frage, dass diese per se in der Durchschnittsfamilie mit den Durchschnittsausgaben pro Kind und Jahr geboren werden, dann kann das Ergebnis noch ganz anders aussehen. Schlechter oder besser, dass gebe ich zu. Aber immer marginal im Verhältnis zum Gesamtmarkt.

 

Was ich damit sagen will? Zum einen gilt, wer zuerst ein Thema einordnet, der hat die Meinungsführerschaft. Geschieht das nur oft genug und mit genug Vehemenz, dann wird daraus eine gängige Meinung. Misstrauen Sie deswegen immer Meinungsführern. Auch mir.  Zum anderen klingt die Mär vom Babyboom so, als liefen die Geschäfte ab jetzt von alleine. Das ist bei diesem kleinen Hebel eindeutig nicht so. 

 

Zusammengefasst: es ist nix dran an dem Babyboom. Wir müssen uns also weiterhin in unserem Business anstrengen, ...oder doch selbst für einen Babyboom sorgen. Jetzt liegt´s an Ihnen.

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