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Christian Ulrich im Interview: 75 Jahre Spielwarenmesse

Interview mit Christian Ulrich, Vorstandssprecher der Spielwarenmesse eG: "Es ist schon etwas Besonderes in einer Welt des ständigen Wandels eine dauerhafte Heimat für die Branche anbieten zu dürfen"

Die Spielwarenmesse in Nürnberg darf 2026 ihr 75 jähriges Jubiläum feiern. Wenn das kein Grund ist mitzufeiern! Ein wenig Nostalgie darf es da schon sein, aber auch ganz besonders viel Zukunft. Denn die Spielwarenmesse in ist keinesfalls altbacken, sondern ein deutsches Erfolgskonzept von Weltrang. Sie ist wahrscheinlich zu DER Spielwarenmesse weltweit avanciert.

 

Wir sprechen heute mit Christian Ulrich, dem Sprecher des Vorstands der Spielwarenmesse eG. Seit mehr als 18 Jahren ist er einer, der den Kurs der Spielwarenmesse bestimmt. Zunächst als Marketing Director und seit 4 Jahren in seiner Position als Sprecher des Vorstands, ganz besonders. Damit ist er einer der ganz Großen der Branche.

 

Peter Hollo: Herr Ulrich, 75 Jahre Spielwarenmesse. Es ist gar nicht mehr so lange hin, dann öffnen sich in Nürnberg im Januar die Tore für eine ganz besondere Spielwarenmesse. Wie fühlen Sie sich dabei?

Christian Ulrich: Es ist ein ganz besonderes Gefühl, die 75. Spielwarenmesse im kommenden Jahr zu feiern. Seit mehr als sieben Jahrzehnten ist sie ein richtungsweisender Impulsgeber und eine zentrale Networking-Plattform für die internationale Toy Community. Für mich persönlich ist es eine große Freude, diesen Meilenstein gemeinsam mit der Industrie, dem Handel und unserem Team zu gestalten. Es ist schon etwas Besonderes in einer Welt des ständigen Wandels eine dauerhafte „Heimat“ für die Branche anbieten zu dürfen.

 

PH: Auf was dürfen wir uns im Januar ganz besonders freuen? Welche besonderen Events sind geplant?

Christian Ulrich: Die Jubiläumsausgabe wird in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich. Wir verwandeln das Messezentrum in eine Erlebniswelt – mit einer Ausstellung samt interaktiven Elementen zur Historie der Spielwarenmesse direkt am Eingang Mitte und besonderen Programmpunkten. Dazu zählen die ToyNight für Aussteller und die RedNight, die am Donnerstag-Abend mit einem großen Feuerwerk im Messepark eingeläutet wird. Zahlreiche Aussteller feiern das Jubiläum mit eigenen Aktionen: von Spielstationen über musikalische Darbietungen bis hin zu kreativen Foto-Spots. Auch die ToyCity Nürnberg wird Teil der Feierlichkeiten. Außerdem bieten unsere digitalen Kanäle bereits im Vorfeld der Messe Möglichkeiten zur aktiven Beteiligung.

 

PH: Was, glauben Sie, ist das Geheimnis der Spielwarenmesse? Wie ist es gelungen dieses Konzept so lange so erfolgreich zu halten?

Christian Ulrich: Das Erfolgsrezept besteht aus der Kombination von Kontinuität und Innovationskraft. Wir bleiben stets im engen Austausch mit der Branche, erkennen Trends frühzeitig und entwickeln die Messe kontinuierlich weiter – ob durch neue Produktgruppen, den Ausbau digitaler Services oder die Konzeption besonderer Specials. Darüber hinaus schaffen wir für Industrie und Handel optimale Rahmenbedingung für effizientes Business und Networking. Das macht die Spielwarenmesse zum unverzichtbaren Termin für Key-Player, aufstrebende Talente, Einkäuferinnen und Fachhändler.

 

PH: Nach dem Spiel ist immer vor dem Spiel: Wie sehen Sie die Herausforderungen für die Jahre 2027ff und wie wird die Spielwarenmesse diesen begegnen?

Christian Ulrich: Unsere Aufgabe ist es, auch in Zukunft nah am Puls der Zeit zu bleiben. Das bedeutet, Marktveränderungen frühzeitig zu erkennen und das Konzept der Spielwarenmesse laufend an die Bedürfnisse der Branche anzupassen. Wir werden den intensiven Austausch fortführen und Networking-Formate wie den Spielwarenmesse Dialog, mit dem wir die wichtigsten Akteure direkt in vielen Ländern auch unter dem Jahr zusammenbringen, weiterentwickeln. Zudem bauen wir unser digitales Informationsangebot weiter aus, um die Branche bestmöglich zu begleiten und zu unterstützen.

 

PH: Sie sind bald zwei Jahrzehnte für die Spielwarenmesse in Verantwortung. Was waren die größten Veränderungen der letzten 20 Jahre? Für die Branche im Allgemeinen und für die Messe im speziellen?

Christian Ulrich: In meinen Augen brachte die Pandemie die größten Veränderungen mit sich. Sie hat Prozesse im Markt, die sich bereits davor abzeichneten, weiter verstärkt und führte zu einem starken Digitalisierungsschub. Gleichzeitig verdeutlichte sie uns, wie wichtig persönliche Begegnungen als Basis für vertrauensvolle Geschäftsbeziehungen sind. Die Spielwarenmesse hat sich von einer reinen Orderplattform hin zu einem zentralen Event für Business- und Networking entwickelt. Zudem hat der Erlebnisfaktor an Bedeutung gewonnen. Diesen Entwicklungen haben wir mit neuen Formaten wie z. B. der RedNight und der Erweiterung des Toy Business Forums Rechnung getragen und haben mit Spielwarenmesse Digital unser Angebot um neue Kommunikationstools weiter ausgebaut.

 

PH: Auf was sind Sie persönlich besonders stolz, wenn Sie zurückblicken?

Christian Ulrich: Besonders stolz bin ich auf die Fähigkeit unseres Teams, immer wieder flexibel auf Veränderungen zu reagieren und die Messe kontinuierlich weiterzuentwickeln. Die Rückkehr der Branche nach der pandemiebedingten Pause war für mich ein ganz besonderer Moment. Aber auch die vielen langjährigen Partnerschaften und die Tatsache, dass wir Generationen von Ausstellern und Besuchern immer wieder aufs Neue begeistern können, erfüllen mich mit großer Freude.

 

PH: Wer oder was hat Sie bei Ihrer Karriere geleitet? Haben Sie so etwas wie ein Vorbild?

Christian Ulrich: Mich haben immer Menschen inspiriert, die mit Leidenschaft, Offenheit und Innovationsgeist an ihre Aufgaben herangehen. Ein konkretes Vorbild gibt es nicht, aber ich habe einige charismatische Persönlichkeiten unserer Branche bewundert wie Allen Hassenfeld, Richard Gottlieb oder LT Lam.

 

PH: Würden Sie den gleichen Weg heute wieder so einschlagen?

Christian Ulrich: Absolut! Ich würde diesen Weg jederzeit wieder gehen. Die Arbeit für die Spielwarenmesse ist unglaublich vielseitig, inspirierend und sinnstiftend. Die Möglichkeit, Teil einer so dynamischen Branche zu sein und gemeinsam mit einem engagierten Team auf internationalem Niveau etwas zu bewegen, ist für mich nach wie vor eine große Motivation.

 

PH: Herr Ulrich, hier die letzte Frage. Die eine, die ich in jedem Interview stelle: Was war das Spielzeug Ihrer Kindheit? Mit was konnte sich der kleine Christian stundenlang beschäftigen?

Christian Ulrich: Ich erinnere mich gut an einen kleinen grünen Aufsitztraktor, mit dem ich stundenlang durch den Garten gefahren bin. Als meine Tochter kürzlich beim Work & Travel in Australien mit einem richtigen Traktor fahren durfte, war ich dann auch etwas neidisch.

 

Lieber Herr Ulrich, ich danke Ihnen für das Gespräch! | PH/Christian Ulrich

Foto: Ingmar Wein

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