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Christian Krömer: Lesen und Spielen gehören aus unserer Sicht eng zusammen

Christian Krömer gilt als einer der interessantesten Protagonisten der deutschen Spielwarenbranche. Ehemaliger Fachhändler und Familienunternehmer, einstmals junger Wilder, noch immer kluger Kopf. Einer, der Herausforderungen mutig annimmt, dort wo andere klagen. Nicht zuletzt durch die spektakuläre MyToys Übernahme machte er von sich reden. Seit Oktober 2025, mit dem Verkauf an oder der Übernahme durch Thalia befindet er sich auf ganz neuem Terrain. Ein Wandel, der größer vielleicht nicht sein könnte, denn im Konzern, da gelten andere Regeln. Ist das so? Finden wir es heraus. Was ist Fakt, was ist Projektionsfläche? Wir wollen heute mit Christian Krömer darüber reden.

 

Peter Hollo, TOYS & GAMES Report: Herr Krömer, wie fühlen Sie sich gerade? Die letzten Jahre und ganz besonders die letzten Monate dürften doch sehr turbulent für Sie gewesen sein.

Christian Krömer, Thalia: Turbulent trifft es tatsächlich sehr gut. Es ist schon verrückt, was in den letzten Jahren so passiert ist, aber ich fühle mich hervorragend. Auch wenn das Pensum phasenweise enorm war, habe ich unglaublich viel erlebt und viele großartige Menschen kennengelernt. Und nicht zuletzt waren wir dabei ja auch sehr erfolgreich unterwegs.

 

PH: Bringen Sie doch bitte ein klein wenig Licht ins Dunkel, denn selbst Brancheninsider können bei Ihrem Tempo leicht den Überblick verlieren: MuKK und die ehemaligen Peppinghaus, Krömer und Toysino-Häuser, Spielzeit und da gibt es noch die Spielwarenabteilungen bei Thalia und Spielwarenabteilungen innerhalb der strategischen Partnerschaft mit Osiander. Wie würden Sie das für uns einordnen und Ihre Rolle darin beschreiben?

CK: Für Außenstehende mag das tatsächlich schwer zu greifen sein, intern ist die Rollenverteilung jedoch sehr klar: Ich bin Geschäftsführer der Thalia Spielwaren GmbH und verantworte die Spielwarengeschäfte von Thalia. Darüber hinaus arbeite ich sehr eng mit unseren Buchhandlungen sowie mit unserem Partner Osiander zusammen.

 

PH: Da schließt sich schon die weit grundsätzlichere Frage an: Warum investiert Thalia überhaupt in den Spielwarenmarkt? Gilt er doch, im Vergleich zum Buchmarkt, als deutlich komplexer. Stichwort Hypersaisonalität, Preiskampf, Bestandsrisiken, im Vergleich zum Buch sehr herausfordernde Logistik, alleine über die vielen unterschiedlichen Produkte und Packungsgrößen. Wo liegt hier der Benefit für Thalia? Was ist das Ziel?

CK: Lesen und Spielen gehören aus unserer Sicht eng zusammen. Spielwaren sind buchnah – viele Geschichten leben in beiden Welten weiter. Das zeigt sich auch daran, dass Thalia in den vergangenen Jahren insbesondere beim Nonbook-Segment deutlich zulegt hat, einen großen Anteil daran hat der Bereich Spielwaren. Dieser gewinnt für uns auch deshalb zunehmend an Bedeutung, weil sich der klassische Spielwarenfachhandel vielerorts bereits aus den Innenstädten zurückgezogen hat. Dieser Entwicklung wollen wir etwas entgegensetzen. Das ist sowohl wirtschaftlich sinnvoll als auch ein kulturelles Statement.

 

PH: Spielzeit, also die Integration von derzeit 40 unterschiedlich firmierenden Spielwarenhäusern unter einer Marke scheint ein Leuchtturmprojekt zu sein. Wie sehen Ihre Pläne hier aus?

CK: Den ersten großen Schritt haben wir Ende März vollzogen: Wir haben alle Geschäfte technisch integriert und in die Thalia Welt überführt. Dadurch können wir nun alle Serviceleistungen anbieten, die unsere Kundinnen und Kunden bereits aus den Buchhandlungen kennen. Als Nächstes folgt schrittweise die Optimierung der Flächen und langfristig der Aufbau der Marke „Spielzeit by Thalia“. Wir gehen hier ganz bewusst einen Schritt nach dem anderen.

 

PH: Lassen Sie uns noch etwas tiefer in Spielzeit einsteigen. Was zeichnet Spielzeit aus? Wo liegt der USP? Wie sieht das Konzept aus und wie möchte das Thalia das auch im Hinblick auf Partner und Lieferanten umsetzen?

CK: „Spielzeit by Thalia“ steht für weit mehr als nur Ware in den Regalen bereitzuhalten. Der Aufenthalt und der Einkauf in unseren Läden sollen Spaß machen. Dabei wollen wir die positiven Erfahrungswerte aus den Buchhandlungen auf die Spielwarengeschäfte übertragen. Konkret bedeutet das: Wir schaffen Erlebnisse, veranstalten Events und bieten interaktive Spielflächen an, um so auch die Aufenthaltsdauer zu erhöhen. Außerdem werden wir durch viele Maßnahmen das Einkaufen für die Kunden erleichtern, aber auch spannender gestalten. Ich denke hier zum Beispiel an gezielte Sortimentskuratierungen, unsere Spielexperten, aber etwa auch an „Blind Dates mit einem Spiel“. Unsere Lieferanten binden wir dabei eng ein, werden aber auch selbst für diese besonderen Erlebnisse sorgen. Hinzu kommen die Vorteile, die wir unseren Kunden schon heute bieten können: Von der Über-Nacht-Bestellung über attraktive Marketingaktionen bis hin zu digitalen Services in den Stores – all das wird uns deutlich vom Wettbewerb abheben.

 

PH: Wo sehen Sie dabei die größten Herausforderungen? Interne Prozesse oder doch das Große und Ganze? Und was sind denn die Branchentrends, die Ihr Geschäft mittel- und langfristig treiben sollen?

CK: Beides wird uns fordern. Zunächst müssen wir unsere internen Prozesse optimal auf die spezifischen Bedürfnisse des Spielwarensegments abstimmen. Es ist ja nicht so, dass vorher bei Thalia keine Spielwaren verkauft wurden. Das Sortiment und die Abläufe reiner Spielwarengeschäfte bringt dann aber doch nochmal andere Anforderungen mit sich. Hinzu kommen die aktuellen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen. Auch damit müssen wir uns. Das wird uns noch länger beschäftigen und erfordert viel Flexibilität.

 

Was die Branchentrends betrifft: Die Kundenstrukturen im Spielwarenhandel haben sich in den letzten Jahren spürbar gewandelt. Die reine Kindheitsphase ist gefühlt kürzer geworden, dafür haben wir Erwachsene das Spielen wieder viel stärker für uns entdeckt. Wir halten stets Augen und Ohren offen, um neue Trends frühzeitig zu erkennen – idealerweise bevor die große Welle rollt –, damit wir auch hier für unsere Kunden immer die erste Anlaufstelle bleiben.

 

PH: Reden wir mal über Expansion. 40 Häuser, welche die Komplexität und die Kosten innerhalb eines existierenden Systems deutlich erhöhen und damit zunächst einmal nicht zwingend den Ertrag steigern, können nicht das Ziel sein. Internes Stichwort Fixkostendegression und vom Markt her gesehen, Relevanz beginnt ab 80 -100 Filialen. Was planen sie hier?

CK: Ich sehe das anders. Thalia hat 40 Häuser übernommen, die für sich genommen bereits sehr erfolgreich am Markt agiert haben. Unser Anspruch ist es nun, diese auch unter dem Dach von Thalia rentabel weiterzuführen. Aber Sie haben natürlich recht: Langfristig wollen wir in diesem Segment weiter wachsen. Aber Schritt für Schritt. Daher liegt unser Fokus aktuell ganz klar auf der Optimierung der bestehenden Flächen und deren erfolgreicher Etablierung innerhalb der Thalia Welt.

 

PH: All die vorherigen Fragen zusammengenommen und auf ein Statement eingedampft, wo sehen Sie sich und die Thalia-Spielwarenintegration in fünf Jahren? Wer will Thalia dann im Bereich Spielware sein?

CK: Fünf Jahre sind lang – gerade in unserer heutigen, schnelllebigen Zeit. Aber lassen Sie es mich mal so sagen. Wir wollen einen ähnlichen Erfolgsweg einschlagen wie unsere Buchhandlungen. Unser Ziel ist es, der zentrale Anlaufpunkt für Familien in den Innenstädten zu werden und mit „Spielzeit by Thalia“ für Qualität, herausragenden Service und besondere Einkaufserlebnisse zu stehen.

 

PH: Und ganz zum Schluss noch eine persönliche Frage. Haben Sie Ihre Entscheidung bei Thalia schon jemals bereut? Vielleicht so ein kleines bisschen, wenn das Tagesgeschäft mal nicht gut zu Ihnen war?

CK: Diese Frage wird mir in letzter Zeit häufig gestellt, daher kann ich sie sehr klar beantworten: Ich war 21 Jahre lang selbstständig, und das war eine wunderbare Zeit. Aber die Selbstständigkeit hält einen manchmal auch ein Stück weit gefangen. Ich hatte schon öfter den Gedanken, dass es reizvoll wäre, irgendwann noch einmal etwas ganz anderes zu machen.

 

Diese Chance habe ich jetzt, und ich muss sagen: Es macht mir riesigen Spaß! Mir wird enorm viel Vertrauen entgegengebracht, und wir pflegen bei Thalia ein großartiges Miteinander. Zugegeben, an der einen oder anderen Stelle wünscht man sich manchmal ein bisschen von der Schnelligkeit, die man als Unternehmer hat, zurück. Aber das wird durch so viele positive Effekte mehr als wettgemacht, dass ich bisher wirklich noch keine Sekunde an meiner Entscheidung gezweifelt habe.

 

Herr Krömer, ich bedanke mich für das Gespräch.

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