Rolf Kosakowski: Was wir aus der Debatte um die rezo-Videos lernen sollten

In den letzten Tagen kommt man um ein Thema nur schwerlich herum: Der YouTuber rezo hat ein Video mit dem Titel “Die Zerstörung der CDU” veröffentlicht, in dem er die Partei für ihre Politik der letzten Jahre massiv in die Mangel nimmt und kritisiert. Die Reaktion erfolgte statt wie angekündigt mit einem Video, mit einem Auftritt des Generalsekretärs und dem Angebot für ein persönliches Gespräch. So weit, so gut.

 

Dann ging der Schlagabtausch aber in die nächste Runde: rezo hat über 70 YouTuber um sich versammelt und gemeinsam mit ihnen eine Stellungnahme veröffentlicht. Als Text und Video. Ich möchte die Debatte inhaltlich nicht bewerten oder Stellung beziehen. Ich will aber eines ganz deutlich sagen: Hört auf die Bedeutung von Influencern und den Sozialen Medien zu negieren! 

       

Warum? Erstens: Kinder und Jugendliche haben ein anderes Medien-Nutzungsverhalten als "wir Erwachsene". Sie nehmen Öffentlichkeit anders wahr und nutzen Kanäle, die neuen Gesetzmäßigkeiten folgen. Influencer spielen in dieser Gleichung eine besondere Rolle: sie sind ständige Begleiter, Vorbilder und Orientierungspunkte auf dem Weg durch die Kinder- und Jugendzeit. Je nach aktueller Lebenssituation und persönlichen Interessen kann sich jede und jeder den passenden Influencer mit dem größten Identifikationspotenzial aussuchen. 

 

Ihre Botschaften werden “gehört” - ganz im Gegensatz zu den klassischen Medienformaten wie Tageszeitungen oder Nachrichten. Sicher, es hat auch schon vor der Zeit von YouTube Stars und Persönlichkeiten gegeben, denen man als junger Mensch nacheifern konnte. Und ja, auch heute tragen Lehrer, Eltern oder eben die klassischen Medien zur Meinungsbildung bei. Influencer sind aber ein bedeutender Teil dessen, was Kinder und Jugendliche als relevante Öffentlichkeit wahrnehmen. Die Tatsache, dass Influencer nun auch noch via Smartphone buchstäblich mit auf dem heimischen Sofa sitzen können und mitunter verteilt auf unterschiedliche Soziale Netzwerke omnipräsent sind, verstärkt ihre Wirkung ungemein. Welche Influencer die größte Bekanntheit haben, hat die aktuelle Marken-Kinder-Studieergeben.

 

Zweitens: Die Reichweiten sind enorm. Rezo alleine hat 1,6 Millionen Abonnenten. LeFloid, einer der Unterzeichner des Statements und ebenfalls YouTuber mit über 3 Millionen Abonnenten, hat bereits am Mittwoch eine Replik auf das ursprüngliche Video veröffentlicht. Mehr als eine halbe Million Mal wurde es angesehen. Nur zum Vergleich: die Süddeutsche Zeitung, die Nummer 1 der Tageszeitungen in Deutschland, erreicht täglich etwa 1,25 Millionen Leser. Rolf Kosakowski

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